Wo der Osten Urlaub machte - Schneekoppe

 
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Wo der Osten Urlaub machte - Am Fuße der Schneekoppe

 

Der polnische Ort Karpacz am Fuße der Schneekoppe ist wieder „in". Vor allem viele ostdeutsche Urlauber kommen. Sie haben in den letzten zehn Jahren das Riesengebirge wiederentdeckt. Südlich von Karpacz erhebt sich an der Grenze zu Tschechien die Schneekoppe, der höchste Berg des Riesengebirges.

Das Gebirge war vor über 30 Jahren ein sehr beliebtes Urlaubsziel besonders für Gruppen des Reisebüros „Jugendtourist“. So fuhren im Sommer 1970 zweiundzwanzig Mädchen einer Abiturklasse nach Karpacz. Die hübsche Sigi war gerade 18 Jahre geworden und zum ersten Mal ohne Eltern im Ausland. Im Hotel begegnete ihr der sieben Jahre ältere Jan Jakubaszek. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Sigi heute noch. „Ein charmanter Typ, ganz anders als die deutschen Jungs.“ Sigi kam sich damals in Polen fast wie im Westen vor.

 

Karpacz galt lange als ein Ort der kleinen „Freiheit“. In den Diskotheken wurden die Beatles gespielt und der heißeste Geheimtipp war der Stripclub „Patria“: nackte Haut im Schummerlicht, dazu Pepsi-Cola mit einem Schuss Wodka. Das änderte sich schlagartig im Herbst 1980. Die DDR-Regierung ließ die Grenze zu Polen schießen. Denn das, was dort geschah, sollte keinesfalls ins Nachbarland überschwappen. Eine vom kommunistischen Regime unabhängige Gewerkschaft hatte sich gebildet und forderte bessere Lebensbedingungen und Meinungsfreiheit.


Sigi kann sich gut an diese Zeit erinnern. Sie hatte ihren Jan geheiratet und durfte weiter nach Polen reisen. Mit der Grenzschließung blieben viele DDR-Urlauber weg. Schwere Zeiten für alle, die im Ort vom Tourismus lebten. Zeiten, die zum Glück vorbei sind. Der Film „Am Fuße der Schneekoppe“ spannt erzählerisch einen Bogen von den goldenen 70er Jahren über die schweren Jahre, als in Polen Kriegsrecht herrschte, bis heute.

 

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