Weihnachten in Lettland

 
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Ein einsamer Ziegenhof im Osten Lettlands. Steffen, ein junger Geologe aus Zwickau, seine lettischen Frau Ruta und der 7jährige Sohn Rusins sind viel früher als sonst aufgestanden. Es ist Heilig Abend. Wie jeden Tag muss auch heute gearbeitet werden. Doch zuvor schmücken sie den Weihnachtsbaum, nach alter Tradition mit Strohsternen und heidnischen Symbolen aus Holz. Gehören doch in Lettland seit jeher vorchristliche Bräuche zur christlichen Weihnacht dazu. Dann geht es in den Stall, wo 130 Ziegen gemolken werden wollen. Aus ihrer Milch entstehen auf dem kleinen Hof zahlreiche Käse-Sorten. Die verkauft die Familie auf dem Markt im 150 Ki¬lometer entfernten Riga. Auch heute. Danach wird gefeiert.

Pünktlich um acht öffnen die 5 Hallen des Rigaer Zentralmarktes. Er ist der größte Handelsplatz des Baltikums und auch an den Weihnachtstagen geöffnet. Steffen und Ruta stehen mit ihrem Käse-Stand vor einem der Eingänge in der Kälte. Täglich kommen bis zu 150 000 Kunden zum Markt. Dabei kreuzen sich die Wege von Letten und Russen ständig, da beide Nationalitäten je eine Hälfte der Rigaer Bevölkerung ausmachen. Hinter den Theken ist ihr Miteinander Normalität. In der Fleischhalle hat die Familie Plechanow ihren Geflü¬gel-Stand. Zum russischen Klein-Unternehmen gehört auch die Lettin Irina. Sie fühlt sich als Familien-Mitglied der Russen. Doch feiern die auch, wenn Irina feiert? Nach russisch-orthodoxem Religion ist Heilig Abend doch erst am 6. Januar… 

Die Reportage vermittelt unverhoffte Einblicke, wie zwei Familien - eine lettische und eine russische - den 24. Dezember verleben Während die eine das Fest schließlich mit der heidnischen Wintersonnenwende beginnt und bis zur Bescherung ausgelassen tanzt und schlemmt, ist die andere in ihrer Vorweihnachtszeit zum Fasten, zu Besinnung und Buße verpflichtet. Ein Kontrast, der im alltäglichen Umgang zwischen Letten und Russen verborgen bleibt. 

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