Panzer gegen Polen

 
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Honeckers Geheimplan gegen Solidarnosc
 
Sommer 1980. Polen steckte in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Dank ausländischer Kredite hatte das Land zuvor eine Phase des Aufschwungs erlebt. Doch nun war die Volksrepublik im Westen stark verschuldet. Das Realeinkommen der Bevölkerung sank. Die Versorgung wurde immer schlechter. Es kam zu Streiks und Arbeiterprotesten, schlussendlich zur Gründung der Solidarnosc.
Für Deutschland waren die Vorgänge in Polen von ganz besonderer Bedeutung. Das Verhältnis zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der VR Polen beginnt nun besonders spannungsreich zu werden: Denn durch das Wirken der polnischen Opposition kann der Bestand der DDR, samt Mauer und SED-Herrschaft, in Frage gestellt werden. Tatsächlich hat Erich Honecker die Streiks in Polen sofort als eigene Bedrohung wahrgenommen und befürchtete nun, Polen würde für die Bundesrepublik zum "Einfalltor" in die DDR werden. Honecker erklärte: "Wir sind nicht für Blutvergießen. Das ist das letzte Mittel. Aber auch dieses letzte Mittel muss angewandt werden, wenn die Arbeiter- und Bauernmacht verteidigt werden muss."
Zunächst teilte Honecker dem polnischen Parteichef Stanislaw Kania die Einstellung des freien Reiseverkehrs zwischen beiden Ländern mit. Später wird werden militärische Vorbereitungen, ein Einmarsch der Nationalen Volksarmee der DDR in Polen, skizziert, dies natürlich im „Bruderbund“ mit anderen Armeen des Warschauer Vertrages unter Führung Moskau‘s. Honecker bezeichnet dies als „kollegiale Hilfsmaßnahme“, da die polnische Führung ihre Probleme nicht in den Griff bekäme. Verzeichnet ist in diesem Szenario der Vorstoß der 9. Panzerdivision der NVA. Nach drei Tagen Vorbereitung hätte sie die Oder überschreiten und sich im Raum um Kołobrzeg (Kolberg/ehem. Pommern) festsetzen sollen.
Und die so genannten "kleinen Leute" in der DDR? Sie sahen die Ereignisse jenseits der Oder vor allem durch die Brille ihrer Alltagssorgen. Versorgungsmängel, mit denen sie zu kämpfen hatten, wurden durch die Warenabkäufe polnischer Bürger bis zu Grenzschließung zusätzlich verschärft. Die Centrum-Warenhäuser erlebten danach einen Umsatzrückgang von durchschnittlich 20 Prozent, in Grenznähe noch wesentlich mehr. In Polen gab es Grundnahrungsmittel lediglich noch auf Marken, die Grenze war nur noch mit einem Visum zu passieren.
Am 13. Dezember 1981 verhängte Polens Staats- und Parteichef General Wojciech Jaruzelski über die Volksrepublik das Kriegsrecht, mit der Erklärung: "Ich wende mich an die gesamte Weltöffentlichkeit. Wir appellieren an Ihr Verständnis für die außergewöhnlichen Bedingungen, die in Polen entstanden und für die außerordentlichen Mittel, die notwendig geworden sind." Die Arbeit der freien Gewerkschaft Solidarnosc wurde verboten. Tausende Oppositionelle kamen ins Gefängnis.

 

Die Dokumentation „Panzer gegen Polen“ erzählt die Umstände des drohenden Einmarsches der NVA-Truppen in Polen 1980/1981 bis hin zur Verhängung des Kriegsrechts. Auf Grund neuerer Forschungsergebnisse und ausgewerteter Geheimprotokolle erscheint diese Zeit und die Reaktion der ‚friedliebenden‘ SED-Führung‘ in einem überraschenden Licht.  35 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges sollten wieder deutsche Truppen in Polen einmarschieren...  Geht gar die Initiative hierzu nicht von Moskau, sondern von Ostberlin her aus? Im Herbst 1980 beginnt ein Politthriller, dessen Ausgang die Welt beinahe an den Rand eines neuen Krieges führt.
Polnische Bürger aus Zgorzelec und Einheimische aus der Grenzstadt Görlitz kommen genauso zu Wort, wie ehemalige Generäle und die Staatschefs Helmut Schmidt und Wojciech Jaruzelski.

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